Kassel vor der Bombennacht am 22. Oktober 1943 - UnterneustadtKassels Stadtbild ist heute geprägt durch die Architektur der 50er Jahre. Der mittelalterliche Fachwerkkern, die hugenottischen Stadterweiterungen des Barock und die bürgerlichen Bauten des 19. Jahrhunderts - sie alle wurden in der verheerenden Bombennacht am 22. Oktober 1943 größtenteils zerstört. Die Karte zeigt das Stadtbild der Unterneustadt um 1930. Uns liegt derzeit keine Luftaufnahme für den kompletten Bereich vor - daher haben wir die Luftbild-Karte in den Randbereichen durch eine gezeichnete ergänzt. Sobald uns ein vollständiges Luftbild vorliegt, werden wir dies austauschen. Die Orte, an denen neue Bilder eingefügt wurden, sind gelb markiert. Die Grafik wurde mit freundlicher Unterstützung von Hans Germandi (Historiker) und Michael Hess (Stadtarchiv) erstellt. Haben Sie Bilder für die Karte? Dann schicken Sie sie per Email an online@hna.de
Mündung Kleine Fulda - Mehr lesen Sie unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Fulda_(Fluss)#Die_Kleine_Fulda
Holzmarkt Mehr lesen Sie unter: http://regiowiki.hna.de/Holzmarkt
Graben In der Straße Graben befanden sich viele Geschäfte, vor allem handwerkliche Betrieb und Tante-Emma-Läden. Auch das Kasseler Leihhaus und die alte Lutherische Kirche, erbaut von 1734 bis 1738, waren dort zu finden. Der Brunnen am Graben, gebaut 1567 von Jacob Bolling, wurde 1896 abgebrochen.
Städtisches Flußbad Das Freibad am Auedamm, das früher den Namen "Städtisches Flußbad" trug, ist eine Gründung Philipp Scheidemanns, als er Oberbürgermeister in seiner Vaterstadt Kassel war. Es gab dort damals im Sommer nur zwei Badeanstalten in der Fulda: Sinning und Gerhard, beide Privatunternehmen, die aus Holz jeden Sommer am linken Flußufer ungefähr gegenüber der Pumpstation mit einem Steg über die Fulda aufgebaut wurden. Die von Sinning ging nach dem Ersten Weltkrieg ein. Die von Gerhard, der mit Spitznamen "Schwimmi" genannt wurde, rekrutierte ihre Besucher ausschließlich aus der gehobenen Kasseler Bürgerschaft. Die Bewohner der Altstadt, insbesondere deren Kinder, badeten und schwammen unbeaufsichtigt und vor den vorüberfahrenden Kiesschiffen ungeschützt frei in der Fulda, insbesondere von den Bleichen aus. Auch Philipp Scheidemann hatte sich als Junge dort im Wasser getummelt und die Gefahren solch riskanten Schwimmens kennengelernt. Folglich war es seine erste Tat als Oberbürgermeister seiner Heimatstadt, für deren Bewohner eine vorbildliche Gelegenheit zu schaffen, sich an und in ihrer Fulda zu erfreuen. Im Mai 1923 konnte er das Flussbad eröffnen, das sofort von den Kasselern begeistert in Besitz genommen wurde. Im Sommer 1925 wurden 15.000 Besucher gezählt. Bis dahin gab es noch keine andere Stadt, die eine derartige Badeanlage für die Bevölkerung geschaffen hätte. Infolgedessen fand ein großzügiges Modell der gesamten Kasseler Einrichtungen auf der bedeutenden Ausstellung "Gesolei" (für Gesundheit, soziale Fürsorge und Leibesübung) in Düsseldorf besonders unter den Teilnehmern des dort stattfindenden Deutschen Städtetages allergrößte Beachtung. Das alte Flussbad bestand aus einer herrlich breiten Liegewiese bis zum Fuldarand, rechts und links für Herren und Damen, sowie anschließend Schüler und Schülerinnen abgeteilt. Die Badebecken mit Zementstangen lagen direkt im Fluss, Nichtschwimmer durch einen Balken vor der Strömung gesichert. Im freien Wasser kennzeichneten Schwimmkreuze die Grenze. Rechts und links jeweils am Herren- und am Damenbad befanden sich Häuschen für die Aufsicht und erste Hilfe. Der Springturm in der Mitte war nach meiner Erinnerung drei Meter hoch. Es war verboten, machte aber Spaß, durch den Fluss hinüber zur Waldauer Jungviehweide zu schwimmen oder gar an allen Sportstätten vorbei bis zur Neuen Mühle hin und zurück. Nachdem am 23. Mai 1943 die Edertalsperre zerstört worden war durch feindliche Flieger und die Wassermassen sich mit Trümmern der Dörfer, Menschen- und Tierleichen durch das Eder- und Fuldatal ergossen hatten, war der Fluss verseucht und das Baden darin, weil gesundheitsgefährdend, nicht mehr erlaubt.
Unterneustädter Kirchplatz Mehr Informationen zur Kirche unter http://regiowiki.hna.de/Unterneust%C3%A4dter_Kirche
Schlagd - Linkes Fuldaufer in der Altstadt
Schlossplatz/Steinweg Der Steinweg in der Innenstadt führte im Mittelalter Richtung Hospital Im Mittelalter führte er als gepflasterter Weg aus der Stadt zum Hospital der heiligen Elisabeth. Also vom Altmarkt bis zur Einmündung der Obersten Gasse. Sehr viel später stieg er mächtig auf, wurde als Abschnitt der Bundesstraße 3 sogar Teil der Nord-Süd-Verbindung Hannover-Frankfurt. Das war in der 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Und seitdem ist der Steinweg als Teil der Bundesstraße B3 eine der Hauptverkehrsadern in Kassel. Seinen Namen hatte der Steinweg schon im 14. Jahrhundert. Weil es mit ihm im wahrsten Sinne des Wortes bergauf ging. Schon damals war er gepflastert, weil er den Pferden bei seiner Steigung zum Zwehrentor hin nur so den nötigen Halt bieten konnte. Lange bevor der Steinweg als südliche Randstraße diente, verband er den Altstadtkern mit einem ganz besonderen Haus: Das St.-Elisabeth-Hospital an der Ecke Steinweg/Oberste Gasse ist Kassels ältestes „Pesthaus“. Bei seiner Gründung 1297 lag es noch außerhalb der Stadtmauern. Denn genau dahin wurden damals aus Angst vor Ansteckung die schwer kranken geschickt. Zum Dahinsiechen, warum diese Hospitäler auch Siechenhäuser genannt wurden. Das kleine Wunder von Kassels ältestem Pesthaus: Es steht noch. Hat Jahrhunderte überdauert und wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1953 aus Trümmern wieder aufgebaut. Aber mit einem historischen Bauwerk gibt sich der Steinweg auf seinen 510 Metern vom Friedrichsplatz bis zur Brüderstraße nicht zufrieden. 1604 ließ Moritz der Gelehrte, Landgraf von Hessen Kassel, den ersten steinernen Theaterbau auf dem europäischen Festland errichten: das Ottoneum. Heute beherbergt das nach dem Krieg wieder aufgebaute Ottoneum mit dem Naturkundemuseum auch Deutschlands ältestes Herbarium. Angelegt anno 1556 von Kaspar Ratzenberger. Es ist die älteste systematische Pflanzensammlung Europas. Im Februar 1953 rückten die Bagger an, um die sich seit zehn Jahren auftürmenden Trümmermassen von 1943 zu beseitigen. Und um den Steinweg zu einem breiten Band durchs Herz der Altstadt auszubauen, das den Verkehr von der Frankfurter Straße aufnehmen und in einem sanft geschwungenen Bogen zwischen Fridericianum mit Zwehrenturm, Ottoneum, Elisabethstift, Schlossplatz, Marställer Platz und Brüderkirche zum Altmarkt lenken sollte. http://regiowiki.hna.de/Steinweg
Altmarkt Der Altmarkt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Kassel aber auch ein zentraler Platz der Stadt mit langer und wechselvoller Geschichte: Ursprünglich hieß der Altmarkt "Altstädter Marktplatz". Hier wurde 1404 die Stadtwaage gebaut. Der Altmarkt teilt das Schicksal aller großen, zentralen Plätze. Einst war er Mittelpunkt der Stadt, hier wurde 1408 das Rathaus errichtet und 1837 wieder abgerissen. Das alte Rathaus, ein teils im gotischen Stil errichtetes Fachwerkgebäude, würde heute als eine Perle der Architektur verehrt werden. Bereits in der französischen Besatzungszeit war das Altstädter Rathaus von 1808 bis 1813 aufgegeben worden. Seine Rolle übernahm vorübergehend das Rathaus, das eigens für die französische Oberneustadt in der Oberen Karlsstraße ab 1770 von Simon Louis du Ry errichtet worden war. In den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts bekamen zahlreiche Gebäude wieder ihre ursprüngliche Fachwerkfassade. Ende des 18. Jahrhunderts waren sie verputzt worden. Sie sollten sich den Häusern in der Oberneustadt anpassen. In der Bombennacht des 22. Oktober 1943 ging auch dieser Teil der Stadt verloren. In den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts und mit dem aufkommenden Autoverkehr galt der Altmarkt als modernste Kreuzung Europas. Auch die Unterführungen, heute als Sicherheitsrisiko eingestuft, waren eine damals hochmoderne Errungenschaft Aus dem HNA-Regiowiki: http://regiowiki.hna.de/Altmarkt Zeughaus: Mitten in Kassels Altstadt am Altmarkt stehen die Reste eines historischen Kleinods, das nur wenige wahrnehmen: das 1581 von Landgraf Wilhelm IV. (1567 bis 1592) begonnene und von seinem Sohn Landgraf Moritz dem Gelehrten zu Anfang des 17. Jahrhunderts zu Ende gebaute Zeughaus, eine einst riesige Befestigungsanlage. In ihr befand sich ein bedeutendes Waffenlager, gleichzeitig wurde dort Getreide aufbewahrt. Heute steht dort ein kläglicher Ruinenrest ein wenig verloren inmitten zwischen zwei großen, modernen Gebäudekomplexen der Max-Eyth-Berufsschule. Denn das einstige Schmuckstück wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und 1972 aus funktionellen und wirtschaftlichen Erwägungen heraus zum großen Teil abgerissen. Dass die Reste eines der größten Bauwerke des 16. Jahrunderts in Kassel überhaupt noch existieren, ist einer 1991 gegründeten Bürgerinitiative zu verdanken und nicht zuletzt der von Amts wegen obersten Denkmalschützerin Kassels, Marlies Finis-Sauer. Seit Bestehen des Vereins hat er 800000 Mark zur Sanierung in die Ruine gesteckt, die nach wie vor vom Verfall bedroht ist. 1994 wurde unter Mitarbeit der Kasseler Denkmalschutzbehörde mit der Renovierung des Kleinodes begonnen. Zunächst hieß es, das Grundstück vom Trümmerschutt zu befreien, dann wurde die gesamte Westseite an der Artilleriestraße neu verfugt. Denn die Mauern mussten gegen das Eindringen von Wasser gesichert werden. Die nach dem Zweiten Weltkrieg provisorisch vermauerten Fenster wurden geöffnet und die Sandsteingewände der Fenster, soweit erforderlich, erneuert. Auch der Turm wurde saniert und die Torbögen zur Artilleriestraße hin geöffnet. Aus dem HNA-Regiowiki: http://kassellexikon.hna.de/Zeughaus
Mehr Bilder aus der Altstadt
Brüderstraße Durch die Brüderstraße fuhr seit 1897 die Straßenbahn. Im Jahr 1936 wurde der Verkehr in der schmalen Straße, die als Nadelöhr galt, eingestellt und zweigleisig durch den Freiheiter Durchbruch geführt. An der Brüderstraße stand das 1603 gebaute Deichmann'sche Haus und die Apotheke "Zum Einhorn", gebaut 1680. Die Kettengasse war ein Teil der Brüderstraße Die Kettengasse war einer der engsten Winkel der Altstadt - von in Ketten gelegten Gefangenen ist in der Kettengasse nichts bekannt. Seinen Namen verdankt dieser Altstadtwinkel der Tatsache, dass die Gasse bis ins 19. Jahrhundert hinein als oberste Fuldagasse mit Zugang zur Brücke durch Ketten, die an den Eckhäusern der Brüderstraße befestigt waren, abgesperrt werden konnte. Die Kettengasse, die bis 1867 Brüderstraße hieß und erst 1877 ihren heutigen Namen bekam, war eine der längeren Gassen in der Kasseler Altstadt. Sie führte vor ihrer Zerstörung im Krieg von der Wildemannsgasse über die Brüderstraße hinweg, an der unteren Fuldagasse vorbei und durch einen Torbogen hinunter bis zur Schlagd. Ähnlich wie das Seidene Strümpfchen war auch sie ein Schlupfgässchen des alten Kassel im Areal hinter Renthof und Brüderkirche, zwischen Brüderstraße und Fulda sowie Renthof und Fundus. Und via Treppe auch Verbindung zwischen Turmgasse und Oberster Gasse. Heute misst sie noch knapp 100 Meter und reicht von der Brüderstraße bis zur Schlagd. Im alten Kassel erzählte man sich die Geschichte, dass die Bewohner gegenüberliegender Häuser im obersten Geschoss auf einem von Fenster zu Fenster über die Straße gelegten Brett miteinander Karten gespielt haben. Gar nicht so unwahrscheinlich, denn die Kettengasse soll eine der engsten Gassen der Altstadt gewesen sein. Eine finstere Straßenschlucht ohne Bürgersteige, in der sich die hohen Häuser mit weit überragenden Geschossen oben fast berührt oder wenigstens bis auf 30, vielleicht 40 Zentimeter genähert haben. In alten Adressbüchern sind nur vier, später fünf Häuser in der Kettengasse verzeichnet. Und das liegt nicht daran, dass die linke Seite der oberen Kettengasse schon 1936 beim Durchbruch der Freiheit niedergerissen wurde. Sondern daran, dass die beiden Eckhäuser an der Wildemannsgasse und vier Bauten an der Brüderstraße mitsamt Nebengebäuden zwar weit in die Kettengasse hineinragten, ihr aber postalisch nicht zugeordnet wurden. Ebenso der Kapitelsaal der Brüderkirche, der trotz Zugang von der Kettengasse als Seitenflügel des Kisselbachschen Hauses an der Brüderstraße galt. Aus dem HNA-Regiowiki: http://regiowiki.hna.de/Kettengasse
Drahtbrücke Aus dem HNA Regiowiki Die Drahtbrücke befindet sich in Kassel. Die als Hängebrücke ausgeführte Fußgängerbrücke überpannt seit 1870 die Fulda in Kassels Innenstadt. Inhaltsverzeichnis 1 Geographie 2 Geschichte 3 Literatur 4 Links Geographie Die formschöne Hängebrücke deren Spannweite 84 Meter aufweist, wurde 1870 als Fußgängerbrücke, die auch von Radfahrern genutzt werden darf, über der Fulda direkt nördlich der erst seit 1926 existierenden Hessenkampfbahn errichtet. Dadurch bekam der Auedamm am Nordende der Karlsaue eine gelungene Verbindung zur damals dicht bebauten Unterneustadt und diese neben der Fuldabrücke eine weitere Verbindung zum Stadtteil Mitte und damit zur Innenstadt. Geschichte Nachdem unter Landgraf Friedrich II. um 1770 die alte Stadtbefestigung geschleift wurde, errichtete man alljährlich im Sommer an der Stelle der heutigen Brücke eine Schiffsbrücke. Diese Verbindung, die bis in die 1840er Jahre bestand, wurde später durch eine Fähre ersetzt. Aus dem Jahre 1813, als Kassel Hauptstadt des napoleonischen „Modellstaat“ Westphalen war, haben sich zwei Entwurfszeichnungen für eine dreibögige Steinbrücke zur projektierten „Ville commerçale“ erhalten. Sie gehen auf Planungen von Heinrich Christoph Jussow zurück und sind an der Stelle der heutigen Brücke angesiedelt. (Staatliche Museen Kassel, Graphische Sammlung, Inv. GS 6305, 6328) Die Drahtbrücke, deren Drahtsystem an zwei Pylonen aufgehängt ist, wurde am 1. November 1870 dem Fußgängerverkehr übergeben. Die Brückenkonstruktion wurde vom Ingenieur Eduard Rohde entworfen und von Henschel gebaut. Weil sie vorerst in Privatbesitz war, musste bis zum 31. März 1896 jeder bezahlen, der darauf die Fulda überqueren wollte: Fußgänger 3 Pfennig und Reiter 3 Silbergroschen. Seit dem 1. April des gleichen Jahres, als sie zum Eigentum der Stadt wurde, ist ihre Überquerung kostenlos. Ursprünglich besaß die Brücke auf jeder Seite zwei Pylone (Pfeiler) aus Backstein, die nach oben schmaler wurden und durch einen Bogen mit dem Kasseler Wappen und der Jahreszahl 1870 verbunden waren. Über den Widerlagern ruhte auf der Aueseite je ein Hirsch, auf der Unterneustädter Seite je ein Löwe. Der schmale Brückensteg wurde 1912 verbreitert und 1930 abermals erneuert. Im Februar 1940 wurde die Brücke durch die von den Eismassen weggerissene Gerhardtsche Badebrücke schwer beschädigt und durch ein Hochwasser vollständig zerstört. Die Brücke wurde um einen Meter verbreitert und höher gelegt, um für Schiffe die Durchfahrt zu erleichtern. Die alten Pylone war dafür nicht ausreichend und wurden durch größere Neubauten ersetzt, außerdem die Widerlager verstärkt. Ende November 1941 wurde die Brücke freigegeben und ist somit einer der wenigen Profanbauten Kassels, der im Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Während dieses Kriegs wurde die Drahtbrücke am 17. Mai 1943 von einem starken Hochwasser heimgesucht, nachdem die Staumauer des Edersees um kurz vor 2 Uhr (Morgens) durch einen britischen Fliegerangriff zerstört wurde, worauf sich rund 160 Mio. m³ Wasser durch das Eder- und Fuldatal über Kassel nach Norden in die Weser und damit zur Nordsee ergossen. Mit der Flut- und Schlammwelle, die ihren Höchststand etwa um 15 Uhr erreichte, trieben Tierkadaver, Baumstämme und Hausteile durch die niedrig liegenden Stadtteile, wodurch erneut Schäden an der Brücke verursacht worden sind. Durch einen Bombenangriff 1945 wurde die Brücke fast völlig zerstört, indem nur die Torpfeiler erhalten blieben. Nach Kriegsende wurden sofort neue Seile gespannt und die Gehwegkonstruktion wiederhergstellt, und beeits Anfang 1946 konnte die Brücke wieder dem Verkehr übergeben werden. Zwischen den 1950ern und 1997, als es in einem kleinen Teil der Unterneustadt einen Messeplatz gab, wurde die Drahtbrücke alljährlich im Juli und August von den vielen Besuchern des Kasseler Zissels überquert, die vom Messeplatz zum Veranstaltungsgelände am Auedamm oder umgekehrt liefen. Insbesondere seit dem Entfernen des nachfolgend erwähnten Zusatzpfeilers schwanken die Brückensegmente unter der Last der Menschen zumeist stark, was die Stabilität der Brücke nicht beeinträchtigt. Nachdem die Drahtbrücke mehrfach - zum Beispiel durch Hochwasser - beschädigt wurde, musste sie häufig ausgebessert und 1955 durch einen Zusatzpfeiler in der Flussmitte verstärkt werden. 1997 wurde sie saniert, wobei neben anderen aufwendigen Arbeiten die Pylone restauriert, die Widerlagerhohlräume ausbetoniert und die Gehwegsegmente mit Betonfertigteilen versehen wurden. Weil dadurch die Eigentragfähigkeit der Hängebrücke wieder hergestellt werden konnte, wurde der Zusatzpfeiler entfernt. Nach dreimonatiger Sperrung wurde die Brücke am 20. Juni für Fußgänger und Radfahrer wieder eröffnet."1 Das Bild zeigt eines der beiden "Portale" an der Drahtbrücke bei Nacht. Die Drahtbrücke überspannt die Fulda in Höhe der Orangerie. Von der Drahtbrücke aus hat man in der einen Richtung einen schönen Blick auf die Fuldabrücke. Beim Blick in die andere Richtung sieht man die Spitzhacke. Die Drahtbrücke heißt im Volksmund Wackelbrücke. Literatur Joachim Danziger: Kasseler Brücken, Kassel 1962, Typoskript im Stadtarchiv Kassel, III Ed/14 Wolfgang Hermsdorff, Ein Blick zurück aufs alte Kassel Bd. 2, Kassel, 1979
Haus der Jugend/Willi-Seidel-Haus Das Willi-Seidel-Haus, Zentrum für Jugendgruppen, ist benannt nach Willi Seidel, Oberbürgermeister von Kassel 1945-1954. Adresse: Mühlengasse 1, 34125 Kassel s.a.Lage im Stadtplan geöffnet: Montag bis Freitag von 8:00 bis 22:00 Uhr Geschichte Seit dem Mittelalter befand sich am Standort des jetzigen Willi-Seidel-Hauses das Jägerhaus, in dem vor allem die Gerätschaften für die herrschaftlichen Jagden gelagert wurden. Es wird 1362 zum ersten Mal erwähnt, dürfte aber schon spätestens nach der Gründung der Unterneustadt entstanden sein (vor 1283). Nach teilweisen Neubauten Ende des 16. Jh. und Anfang des 18. Jh. wurde unter Landgraf Karl 1686 der fuldaseitige Flügel abermals neu errichtet; dafür und für den Bau des Nordflügels (um 1710) wurde das Gelände um vier angrenzende Grundstücke in der Mühlengasse vergrößert. Der alte Flügel an der Ostseite wurde um 1760 abgebrochen und durch eine Mauer mit Tor ersetzt. Von 1756 bis 1763, im siebenjährigen Krieg, diente es als Fourage-Magazin (Pferdefutterlager) für französische Truppen, welche gegen das Vereinigte Königreich Großbritannien / Hannover und somit auch den Bundesgenossen Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel kämpften. Ab 1763 wurde im früheren Jägerhaus ein Lazarett für die Kasseler Garnison eingerichtet, wenige Jahre später zusätzlich eine Tuchfabrik; ab 1789 diente es als Artillerie-Kaserne. Nach dem Abbruch der Unterneustädter Kirche 1795 diente es zunächst provisorisch als Kirche; weitere Umbaupläne wurden aber fallen gelassen. Mit dem Bau der neuen Fuldabrücke 1788-94 unter Landgraf Wilhelm IX. wurde der alte Südflügel abgebrochen und kurz darauf das Gebäude als befestigter Brückenkopf ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen die Kasematten und das klassizistische Portal, ein von einem Dreiecksgiebel gekröntes, rustiziertes Rundbogenportal. Die Kasematten (Gewölbekeller) aus 1794 können heute noch besichtigt werden. Das frühere Jägerhaus wurde nun zugleich in ein Staatsgefängnis umgewandelt. Diese Nutzung behielt es auch im Königreich Westphalen bei, sowie nach der Wiederherstellung Kurhessens 1813/14. Außerdem wurde es als Militärarresthaus genutzt, weshalb bis in das 20. Jh. eine Infanterieabteilung dort stationiert war. Hier saßen die Männer des Dörnbergschen Aufstandes gegen König Jérôme ein, die 1809 bei Bettenhausen erschossen wurden, politische Gefangene der revolutionären 1830er Jahre waren in dieser "Bastille" inhaftiert und als berühmtester Gefangener wurde Dr. Gottlieb Theodor Kellner (1819-1898), Herausgeber des satirischen Wochenblatt "Hornisse", hier gefangen gehalten, dem mit Hilfe des Gefangenenwärters und Soldaten Zinn am 13. Februar 1852 die Flucht gelang. Das Geschehen wird in einem Gedicht von ? festgehalten: Der Kellner und der Zinn: Wo sind die beiden hin? An der Fulda sind sie runner, An der Schlagd da lag der Plunder. 1909 wurde der Graben auf der Brückenseite der Zitadelle beim Bau der neuen Brücke zugeschüttet und ab 1938 gab die NS-Fürsorgebehörde hier die Volksspeise aus. 1943 brannte das Gebäude schließlich im Bombenhagel aus. Auf den Fundamenten des Kastells ließ Werner Noell, Hochbauamtsleiter der Stadt Kassel, 1952/53 das Haus der Jugend erbauen. Er übernahm dabei den L-förmigen Grundriss und hob das Bodenniveau des Innenhof auf das Straßenniveau der neuen Fuldabrücke an. In Anlehnung an die Kasematten wurde der Neubau mit Bruchstein verkleidet. Der dreigeschossige Hauptflügel entlang der Fulda erhielt ein vertikalbetontes Beton-Fensterraster und der zweigeschossige Seitenflügel wurde, der historischen Vorlage gleich, schmaler und lediglich zweigeschossig ausgeführt. Seit 1985 heißt das Ensemble an der Fuldabrücke Willi-Seidel-Haus, seit 1995 mit dem Zusatz: "- Zentrum für Jugendgruppen". Aktuelle Nutzung Die montags bis freitags von 8.00 bis 22 Uhr geöffneten Räume des Hauses dienen nicht nur Jugendgruppen, sondern auch Gruppen von Erwachsenen als kostenloser Übungs- bzw. Trainingsort. Die Gruppen beschäftigen sich mit zahlreichen Themen, so zum Beispiel Breakdance, Theaterspielen, Musik, Selbstverteidigung, Lachen (Lachclub). Weiterhin beherbergt es die Schauspielschule Kassel, den integrativen Zirkus Buntmaus, verschiedene Beratungsangebote und Anlaufstellen für Jugendliche, so das Kommunale Jugendbildungswerk, das Kinder- und Jugendbüro, das Informationsbüro für junge Arbeitslose plus Arbeitsamt - "IBJA plus A" und den Kasseler Jugendring Weiterhin gibt es eine Cafeteria und einen - nur Jugendlichen zugänglichen - Raum mit Internetzugang. Ein Mal im Jahr im April stellen sich viele Nutzergruppen des Hauses beim sogenannten Mühlengassenfest vor. In den Schulsommerferien ist das Haus der Jugend geschlossen. http://regiowiki.hna.de/Haus_der_Jugend
Landgrafenschloss Kassel Aus dem HNA-Regiowiki Ob am hohen Ufer der Fulda tatsächlich der ehemalige fränkische Königshof aus dem Jahr 913 stand, ist nicht verbürgt. Historiker vermuten, dass der Hof neben der frühen Marktsiedlung Chassalla genau an jener Stelle gelegen war, wo heute das Kasseler Regierungspräsidium steht. Doch Belege dafür wurden bei Ausgrabungen bisher nicht gefunden. Fundamente und Kellergewölbe der alten Landgrafenburg aus dem 14. und 15. Jahrhundert wurden aber schon 1935 freigelegt. „Die wichtigste historische bauliche Stätte in Kassel ist dort, wo sich heute der Regierungs- und Justizpalast befindet“, so die Kasseler Neuesten Nachrichten im September 1935 über die Ausgrabungen. In historischen Quellen finden sich Hinweise, dass seit 1277 hoch über der Fulda die Residenz der hessischen Fürsten stand. In strategisch günstiger Lage konnte so der Flussübergang für die Fernstraßen gesichert werden. Das ehemalige landgräfliche Schloss in Kassel Anstelle einer fast 200 Jahre alten Burg ließ Landgraf Ludwig II. im Jahre 1466 einen neuen Schlossbau errichten "mit einem gewaltigen steinern Fuß, hölzern Stockwerk, hübschen Spitzen und Zinnen". Um 1500 wird das Schloss zur Fulda hin um den Rothensteinflügel erweitert. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Umwehrung der Burg erneuert. Von 1523 an ließ Landgraf Philipp I. Kassel in eine neuzeitliche Festung mit Bastionen umbauen. Auch die mehrfach um- und ausgebaute Burg ließ Philipp schließlich abreißen und ab 1556 ein Landgrafenschloss im Renaissancestil errichten, das weit gehend unverändert bis zum Jahre 1811 dem hessischen Fürstenhaus als Residenz diente. In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag, den 24. November 1811, schlugen plötzlich Flammen aus dem Schloss. Napoleons Bruder, Jérôme, residierte zu dieser Zeit als König von Westfalen im Landgrafenschloss. Jérômes Hofbaumeister, der Ingenieur Grandjean de Montigny, hatte im Schloss eine Art Zentralheizung einbauen lassen, kupferne Röhren waren unter dem Fussboden verlegt worden. Man hatte in dieser Nacht so eingeheizt, dass die Heizröhren glühten. Diese setzten die Holzböden in Brand, zuerst im an der Fulda gelegenen Schlossflügel. Nur notdürftig bekleidet habe sich Jérôme von seinem Schlafgemach über die schon brennenden Flure in Sicherheit gebracht, so heißt es. Die Temperatur lag bei minus 20 Grad, so dass sich die Löscharbeiten sehr schwierig gestalteten, da die Spritzen einfroren. Am Morgen war ein Drittel des Schlosses total zerstört. Ein Opfer der Flammen wurde unter anderem ein von Lucas Cranach gemaltes Bild Philipps des Großmütigen. Weder unter Jérôme noch unter den hessischen Kurfürsten gelang der Wiederaufbau. 1816 ließ Kurfürst Wilhelm I. die Trümmer beseitigen, um einen gewaltigen Neubauplan verwirklichen zu lassen - die Chattenburg. Die Arbeiten blieben jedoch in den Anfängen stecken. Im Juni 1817 hatten die Arbeiten an der monumentalen Chattenburg begonnen, die nie vollendet wurde. Nach Wilhelms Tod 1821 wurden die Arbeiten an dem klassizistischen Bau eingestellt. Wilhelm II. zog das Residenzpalais am Friedrichsplatz vor. Von dem sogenannten „Roten Palais“ steht nur noch der Portikus am heutigen Geschäftshaus. Die Steine der unvollendet gebliebenen Chattenburg wurden für den Bau der Neuen Galerie 1871 bis 1874 verwendet. Ab 1875 entstand unter preußischer Regie das 1882 fertig gestellte Regierungsgebäude auf den Grundmauern der Chattenburg. Die neuen Landesherrn benötigten keine Residenz mehr, sondern einen Verwaltungsbau für die Königlich Preußische Regierung zu Cassel - die Keimzelle des späteren Regierungspräsidiums. 1880 entstand hier ein preußisches Regierungs- und Gerichtsgebäude, das von den Bomben im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Das Verwaltungs- und Justizzentrum wurde bei der Bombardierung Kassels im Oktober 1943 völlig zerstört, die Ruine von 1949 bis 1953 abgetragen. In den Jahren 1957 bis 1960 wurde das heutige Bürohochhaus gebaut. http://regiowiki.hna.de/Landgrafenschloss_Kassel
Karlshospital Aus dem HNA-Regiowiki Gotthard Fels übernahm im Jahre 2008 die verblienene Ruine neben dem ehemaligen Polizeipräsidium mit der Planung zum Ausbau und zur Sanierung des denkmalgeschützten Barockbaus und der Eröffnung eines gastronomischen Betriebs. Geschichte Landgraf Karl ließ das Karlshospital in den Jahren 1720/1721 als Erziehungs- und Besserungsanstalt errichten. Im Laufe der Jahrzehnte - bis zur Zerstörung im Jahre 1943 - diente das Gebäude an der Fulda dann wechselnden Nutzungen, als Gefängnis, Zuchthaus aber auch als Hospital. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand eine Zufluchtsstätte für Bedürftige. Arbeitslose standen auch während der Weltwirtschaftskrise in langen Reihen an, um sich eine warme Suppe zu holen. Hier gab es Suppe für zehn bis zwanzig Pfennig. Das Geld für die Mahlzeiten kam aus Spenden sowie aus Einnahmen einer Theatergruppe der Arbeitslosen. Täglich wurden dort zwischen 1000 und 2000 Essen ausgegeben. Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden dann im Karlshospital Regimegegner und andere missliebige Personen willkürlich interniert. http://regiowiki.hna.de/Karlshospital
Kastell Mehr: http://regiowiki.hna.de/Kasematten
Schule am Lindenberg Die Bürgerschule am Togoplatz In einer Festschrift schrieb 1956 der damalige Schulleiter Dietrich: "Die Bürgerschule 'Am Togoplatz' ist die jüngste der drei Volksschulen im Stadtteil Bettenhausen. Der Mann im "grauen Kittel" war der gefürchtete Hausmeister Bretthauer!! Einige Lehrer aus den 50ern: Frau Karl, "Fräulein" Klein, der knallharte Turnlehrer Herr Nietsche, Frau Kreilein und Herr Kunkel. Das schnelle Wachstum der am Ostrand Bettenhausens sich ausdehnenden Siedlungen (Lindenberg, Erlenfeld usw.) drängte schon gleich nach Beendigung des zweiten Weltkrieges zu einer Lösung der Schulfrage. 1949 pachtete die Stadtschulverwaltung eine am Forstbachweg gelegene Baracke der ehemaligen Junkerswerke und baute sie für Schulzwecke um. Ab Ostern 1950 wurden in den entstandenen sechs Klassenräumen die Grundschulkinder des Bezirks unterrichtet. Die neue Schule blieb vorläufig als Filialschule mit der Bürgerschule Rinaldstraße verbunden. Der Plan, den Siedlungen eine eigene Schule mit eigenem Schulgebäude zu geben, blieb bestehen. Im Februar 1953 konnte der erste Bauabschnitt fertiggestellt und der neu errichtete Schulpavillon mit acht Klassenräumen bezogen werden. Die Schule erhielt den Namen "Am Togoplatz". Die Freude war groß, und doch war das Haus viel zu klein für die herbeiströmende Kinderschar. Für 789 Kinder in 24 Klassen standen nunmehr 14 Räume (einschließlich der in der Baracke am Forstbachweg) zur Verfügung. Das bedeutete Schichtunterricht mit all' seinen Unannehmlichkeiten und Nachteilen. Kinder, Eltern und Lehrer hofften auf den Weiterbau, und diese Hoffnung wurde erfüllt. Am 1. April 1955 bezogen wir den inzwischen fertiggestellten Hauptbau, der neben 10 Klassenräumen uns auch einen vorzüglich ausgestatteten Physikraum und eine moderne Schulküche schenkte. Gesamtanlage und Einrichtung der neuen Schule sind mustergültig und machen die Arbeit für Kinder und Lehrer schöner und freudiger. Wir wollen nicht versäumen, allen denen zu danken, die an der Errichtung der neuen Schule beteiligt waren. Wenn in diesem Jahre die Turnhalle entsteht und, so hoffen wir, dass im nächsten Jahr der dritte Bauabschnitt in Angriff genommen wird, dann ist dem Bezirk mit dem Gesamtschulbau eine ideale Erziehungs- und Kulturstätte geschenkt worden. Sie mit dem rechten Geist zu füllen, in ihr das Wahre, Edle und Schöne zu pflegen, soll und wird Aufgabe aller derer sein, die in dieser Schule wirken dürfen. In einer Forstfelder kleinen Zeitung schrieb Dr. Günther Schnell unter der Überschrift „Die Schule Am Lindenberg“ wird Grundschule: Schon ganze Generationen von Forstfeldern haben die 1953 erbaute Schule Am Lindenberg besucht. Viele der Älteren erinnern sich daran, wie von diesem Jahr an die Schule ständig wuchs und beispielsweise 1956 die Turnhalle hinzukam. Etwas in Vergessenheit zu geraten scheint, dass die Schule Am Lindenberg bis 1977 nicht „nur“ eine Grundschule, sondern auch noch Hauptschule war. Damals sah die Schulsituation im Kasseler Osten noch ganz anders aus: Die Gesamtschule Waldau entstand erst allmählich und die Joseph-von-Eichendorff-Schule hatte noch nicht den Neubau im Olebachweg bezogen, sondern befand sich noch im Gebäude der heutigen Losseschule in der Eichwaldstraße. Mit den Plänen für Gesamtschulen im Kasseler Osten änderte sich auch die Rolle der Schule Am Lindenberg. Sie hatte als reine Hauptschule nicht mehr die Bedeutung wie früher, sollte jedoch weiterhin als Grundschule genutzt werden. Nicht unumstritten war dieses Vorhaben zunächst unter den Parteien. So kam es am 23. März 1976 zu einer heftigen, fast einstündigen Debatte im Kasseler Stadtparlament über die Schule Am Lindenberg. Die CDU-Fraktion forderte den Erhalt der Klassen 5 bis 9 und bezweifelte, dass die Schüler an den umliegenden Schulen (Joseph-von-Eichendorff-Schule und Gesamtschule Waldau) aufgenommen werden könnten. Nach Ansicht der Verwaltung reichten die Plätze jedoch aus. Zu verstehen sind die erregten Diskussionen aus heutiger Sicht sicherlich nur vor dem Hintergrund der Schuldiskussion, die gerade um die Gesamtschulen besonders engagiert geführt wurde. Schon einmütiger zeigten sich die Parlamentarier fast ein Jahr später, am 4. März 1977. Inzwischen hatte sich herausgestellt, dass tatsächlich die Schulräume in Waldau und Bettenhausen auch für die Forstfelder Kinder ausreichen würden, außerdem stand der Bau der neuen Joseph-von-Eichendorff-Schule am Olebachweg kurz bevor. So wurde einstimmig beschlossen, ab August 1980 die Schule Am Lindenberg in eine Grundschule umzuwandeln. Dies bedeutete, dass sie ab dem Schuljahr 1977/78 keine Kinder der Klasse 5 mehr aufnahm und diese eine der umliegenden Schulen besuchten. Heute werden in der Schule Am Lindenberg 336 Schüler von 24 Lehrern unterrichtet. Die Schule Am Lindenberg ist eine von drei hessischen Ganztagsgrundschulen. Im Jahr 2002 schrieb die Schulleitung für diese Chronik: "Die Schule Am Lindenberg hat noch immer den Ganztagsstatus, das heißt, die Schüler können von Montag bis Donnerstag von 7.50 bis 16.00 Uhr, am Freitag von 7.50 bis 13. 10 Uhr betreut werden. Zur Zeit werden 300 Kinder von 20 Lehrkräften unterrichtet. Weiterhin beschäftigen wir 2 Erzieherinnen, 1 Honorarkraft in der Bücherei und Übungsleiter im AG Bereich für Sport. Neben den Schulfächern nach der Stundentafel des Landes Hessen: Religion, Deutsch, Sachkunde, Mathematik, Kunsterziehung, Musik, Sport, Textilarbeit und Werken ermöglicht unsere Schule den Kindern Angebote, die einerseits den Unterricht bereichern oder ergänzen (Aufgabenbetreuung und Förderkurse ), andererseits auch besondere Interessen vertieft (Chor, Instrumentalkreis, Flötenunterricht, sportliche Angebote, Töpfern, Theater und die Betreuung einer Bachpatenschaft für einen Abschnitt des Wahlebachs). Für Kinder, die sich nicht über einen längeren Zeitraum zu einer AG anmelden wollen, bieten wir eine Betreuung mit unterschiedlichen offenen Angeboten an. Der Sachunterricht am Vormittag wird um das praktische Lernen im und mit dem Schulgarten ergänzt. Besonders stolz sind wir auf unsere schuleigene Schülerbücherei, die vor allem durch Mittel aus Spenden finanziert wird. Unser Schulleben wird außerdem wesentlich unter anderem von Projektwochen, Klassenfahrten, Klassenfesten, Schulfesten, Waldschulaufenthalten bereichert und von Elternarbeit und Förderverein unterstützt. Da nicht alle Kinder grundsätzlich mit dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze von sechs Jahren auch schon die Voraussetzungen für einen guten Schulanfang mitbringen, können Kinder, die schulpflichtig, aber noch nicht schulreif sind, in unserer Vorklasse vorbereitet werden. Die Vorklasse wird von einer Sozialpädagogin unterrichtet. In der Schule wird mittags ein warmes Essen angeboten. Das Essen wird von einer Firma geliefert und kostet zur Zeit 2,10 €. Im Falle von finanzieller Bedürftigkeit kann dieser Betrag auf Antrag bei der Stadt Kassel auf 1,10 € reduziert werden. Schulgebäude und Schulgelände werden zur Zeit umfangreich renoviert. Ein neues Dach, Außenputz und Isolierung, neue Fenster und stromsparende Beleuchtung in den Klassenräumen, brandsichere Türen und Garderobenschränke sowie ein neuer Belag, Wandverkleidungen in der Turnhalle sind schon erneuert, die von Kieselrot befreiten Außenanlagen werden bis 2003 fertiggestellt sein. Auch der Pavillon, der schon lange keine Klassen mehr beherbergen musste, sondern der Bücherei als Unterschlupf diente, konnte endlich beseitigt werden. So wird, wenn die Arbeiten alle termingerecht beendet sind, die Schule im nächsten Jahr (2003) ihr 50-jähriges Bestehen feiern können. Dr. Günther Schnell schreibt in einer Ausgabe der Forstfelder kleinen Zeitung: Man mag es kaum glauben, aber vor 30 Jahren sorgte ein Artikel in der Boulevard-Zeitung „Neue Revue“ für Aufsehen in ganz Deutschland - und dabei hatte es so harmlos mit einem Artikel in der Hessischen Allgemeinen am 28. November 1967 begonnen. Dort war unter der Überschrift „Die meisten Kinder sind unterernährt“ zu lesen, daß über die Hälfte der 523 Kinder, die damals die Schule Am Lindenberg besuchten, unterernährt seien. Dies war die Antwort auf eine Anfrage des SPD-Stadt-verordneten Wilhelm Asbrand. Die Untersuchung ergab ferner, daß 200 der Schulkinder nur zwei warme Mahlzeiten in der Woche erhielten und 264 ein Untergewicht von mehr als einem Kilogramm hatten. Die Forderung von Seiten der Politik: Die Schule Am Lindenberg müsse zu einer Ganztagsschule umgestaltet werden, was einen Zuschuß von 90.000 DM pro Jahr und mindestens sechs weitere Lehrkräfte erforderlich machen würde. Dies hatten 80 % der Eltern schon drei Jahre vorher befürwortet, geschehen war jedoch noch nichts. Wie dieser Artikel der „Neuen Revue“ zur Kenntnis gelangte, läßt sich nicht mehr so recht feststellen, fest steht jedoch, daß in der Ausgabe Nr. 51 vom 17. Dezember 1967, also gerade passend zur Weihnachtszeit, unter dem Titel „Die Kinder von Kassel“ breit und mit zahlreichen Bildern über die Schule Am Lindenberg berichtet wurde. Dort heißt es: „Wir beweinen die von Napalmbomben verbrannten Kinder von Vietnam. Wir bedauern die Skelette der halbverhungerten Kinder in Indien. ... Wir - die Deutschen, die 1967 fast zwei Milliarden Mark für die Entwicklungshilfe ausgaben, weil wir glauben, den Hilfsbedürftigen fremder Länder durch Kredite, Maschinen und Lebensmittel unter die Arme greifen zu müssen. Wir sollten uns mehr um das Entwicklungsland Deutschland kümmern. Um Kinder, die in unserem vielgepriesenen Wohlfahrtsland in Baracken leben, in viel zu engen Betten mit Geschwistern schlafen, hungrig in die Schule gehen, selten ein warmes Mittagessen bekommen. Die auf dem Schulhof ohnmächtig werden, weil ihre Mütter sie nicht pflegen und ernähren können.“ Harte Worte also, die ihre Wirkung in der Weihnachtszeit nicht verfehlten. Da die „Neue Revue“ auch gleich zu einer Paketaktion aufrief, rollten ab dem 20. Dezember bis weit in das Jahr 1968 hinein ganze Paketberge auf das Forstfeld zu. Die Verteilung bereitete anfangs Schwierigkeiten, wollte man doch nur den wirklich Hilfsbedürftigen die Gaben zukommen lassen. 30 bis 40 Pakete waren es täglich, die in den Anfangstagen der Aktion eintrafen, und mit mehreren hundert Briefen wurde den Spendern gedankt (Hessische Allgemeine vom 23. Dezember 1967: Paketflut rollt zum Lindenberg"). Im Januar 1968 wurde noch einmal Fazit in der „Neuen Revue“ gezogen: "Soviel Hilfe haben wir noch nicht erlebt". Auch die Stadt reagierte nun schnell. Noch im Februar 1968 beschloß der Magistrat, die Schule Am Lindenberg in eine Ganztagsschule umzuwandeln, und am 9. Oktober 1968 war es soweit: Zusammen mit den Schülern probierte der Oberbürgermeister Dr. Branner das erste Essen aus der Schulküche. Wenn auch zu Beginn nur 180 Kinder an dem Essen teilnehmen konnten - die erste Kasseler Ganztagsschule war geboren. Nur zweimal ein warmes Essen in der Woche Viele Kinder blieben zurück Lehrer sind sich einig: So geht es nicht weiter! (Hess. Allg. v. 29. Nov. 1967 – Auszüge) Kassel (b). Die Schule ist zu Ende. Über 900 Mädchen und Jungen der Schule Lindenberg strömen nach Hause. Nichts Besonderes. Doch: wie viele von ihnen werden an diesem Mittag ein warmes Essen bekommen? Wie viele werden zu Hause den Platz und die Ruhe finden, ihre Hausaufgaben ordentlich oder überhaupt nur erledigen zu können? Nach einer Untersuchung des Kasseler Gesundheitsamtes Anfang September steht fest, dass von 523 Kindern des ersten bis vierten Schuljahres 50,4 Prozent ein Untergewicht von mindestens zwei Pfund aufweisen (siehe Bericht in unserer Dienstag-Ausgabe). Die Grund- und Hauptschule im Stadtteil Bettenhausen ist zu einem „Eilfall“ geworden. Die Lehrer wissen es. Sie waren es auch, die das Gesundheitsamt baten, die Kinder gründlich zu untersuchen, was bei den jüngeren zunächst nur beim Schuleintritt geschieht. Das Ergebnis sei noch einmal wiederholt: 264 Kinder sind unterernährt, 173 müßten in ihrer körperlichen Entwicklung mindestens ein Jahr weiter sein, 212 sind für ihr Alter zu klein, 200 erhalten lediglich zwei warme Mahlzeiten in der Woche. Schulanfänger, die "Schwim-mer" (zehnjährige, die erstmals Schwimmunterricht erhalten) und die Schulabgänger der Volksschulen werden routinemäßig vom Gesundheitsamt überprüft. 2900 Schulanfänger stellten sich beispielsweise 1966 den Ärzten. Das Ergebnis: nur bei 205 war der Gesundheitszustand nicht ausreichend. Das sind 8,6 Prozent. Bei den Zehnjährigen sieht der 66-er-Schnitt in Kassel noch besser aus: 1038 wurden untersucht. Bei 1031 konnten die „Noten“ gut und ausreichend bescheinigt werden. Nur sieben Kinder waren gesundheitlich nicht auf der Höhe. Die Schule am Lindenberg ist ein echter Sonderfall. Der Rektor Ulrich Bouness weiß dies seit langem. Gut zwei Jahre ist er Leiter der Schule am Togoplatz. Und er hat sich Gedanken darüber gemacht, wie den Kindern geholfen werden kann: „Das Lehrerkollegium ist dabei, einen Arbeits- und Bildungsplan aufzustellen – für die vorgeschlagene Ganztagsschule...“ Die Kinder sind nervös Die Pädagogen sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann. Von 523 Kindern, die untersucht wurden, leben allein 99 Familien in Baracken. Die Folge: „Die Kinder sind nervös“ (der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Werner Seebach), „viele Schülerinnen und Schüler werden leicht krank. Die Hausaufgaben können mitunter nicht ordnungsgemäß erledigt werden“ (so Rektor Bouness). Vor einigen Jahren standen derartige Fragen noch nicht so stark im Vordergrund. Jetzt aber werden die Obdachlosenunterkünfte und Behelfswohnungen zahlenmäßig immer mehr abgebaut. Am Forstbachweg jedoch kam es zu einer regelrechten Ballung vor allem kinderreicher Familien. Ruhe und Räume fehlen Dr. Seebach: „Es kommt ja gar nicht so sehr darauf an, dass die Mädchen und Jungen mehr zu essen kriegen. Nur die Regelmäßigkeit ist nicht da.“ Und Rektor Bouness: „Den Schülern fehlt die Ruhe und fehlen die Räume. Wo sollen sie denn den Unterrichtsstoff vertiefen?“ Eltern für Ganztagsschule Eine Ganztagsschule wäre die Lösung. Auch die Eltern dürften einverstanden sein. Vor drei Jahren wurde eine entsprechende Umfrage an der Schule Am Lindenberg gestartet. Das Ergebnis: Etwa 80 Prozent der Eltern begrüßten eine Ganztagsschule mit Fünf-Tage-Betrieb... http://regiowiki.hna.de/Schule_am_Lindenberg
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