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Standorte der aktiven Kernkraftwerke in Deutschland
Brokdorf
Emsland
Krümmel
Unterweser
Grohnde
Biblis A und B
Phillipsburg 1 und 2
Isar / Ohu
Grundremmingen
Neckarwestheim 1 und 2
Grafenrheinfeld
Aktive deutsche Atomanlagen
An den ehemals 21 Standorten für Atomkraftwerken in Deutschland (3 in der ehemaligen DDR, 18 auf dem Gebiet der alten BRD) sind zur Zeit (Juli 2009) noch 12 Kraftwerke in Betrieb.
Die Karte gibt eine Übersicht über die Atomkraftwerke in Deutschland, die eine aktuelle Betriebsgenehmigung haben. Das bedeutet nicht, das diese Kraftwerke auch wirklich am Netz sind.
Der Meiler in Krümmel zum Beispiel ist nach dem zweiten Brand in einem Transformatorenhaus gerade mal wieder abgeschaltet und der Betreiber Vattenfall sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt.
Brunsbüttel
AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein Inbetriebnahme: 1977 Laufzeitende: 2012
Störfälle: 1978 entwichen durch ein Leck zwei Tonnen radioaktiver Dampf. Die automatische Abschaltung versagte und der Reaktor lief noch fast drei Stunden weiter.
Im Winter 2001 zerriss ein Sicherungskühlrohr nach einer Wasserstoffexplosion auf über zwei Metern Länge. Erst drei Monate später wurde das Bundesumweltministerium informiert und ordnete die sofortige Abschaltung an.
Brokdorf
AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein Inbetriebnahme: 1986 Laufzeitende: 2019
Am AKW-Standort Brokdorf fanden seit den 1970er Jahren die heftigsten Auseinandersetzungen über die Atomenergienutzung in der Bundesrepublik statt. So demonstrierten 1981 rund 100.000 Menschen gegen Bau und Inbetriebnahme des Reaktors. Ihnen standen 10.000 Polizisten gegenüber, das bis dahin größte Polizeiaufgebot in der Geschichte der BRD.
Ernsthafte Störfälle sind keine bekannt geworden. Im November 1995 rammte und beschädigte ein Frachter das Kühlwasserbauwerk des AKW an der Elbe.
Emsland
Das AKW Lingen in Niedersachsen ist bereits seit 1977 stillgelegt, das benachbarte AKW Emsland ist noch am Netz Inbetriebnahme: 1988 Laufzeitende: 2020
Am Standort Lingen gab es nach der Stillegung 1977 bundesweit die ersten Hinweise auf eine Erhöhung der Krebsraten, die aufgrund geringer Zahlen sowie umstrittener Kriterien jedoch ohne klares Ergebnis blieben.
Ernsthafte Störfälle sind aber weder für Lingen noch für das AKW Emsland bekannt geworden.
Krümmel
AKW Krümmel in Schleswig-Holstein Inbetriebnahme: 1984 Laufzeitende: 2019
Krümmel ist insbesondere aufgrund einer signifikanten Häufung von Krebsfällen unter der Bevölkerung in der näheren Umgebung bekannt geworden. Unklar ist, ob das AKW als alleiniger Auslöser in Frage kommt, da es auch im benachbarten Geesthacht eine Kernforschungsanlage gibt, bei der es mehrfach zu Störfällen kam.
In Krümmel formierte sich zunächst gegen den Bau und Betrieb des AKW lokaler Widerstand, dem die Krebsmeldungen dann Auftrieb gaben. Ab den 1990er Jahren fanden hier Demonstrationen und Blockaden gegen die Atommülltransporte sowie eine gewaltfreie, öffentlich angekündigte Schienenanschlussdemontage statt.
Nach zwei Bränden im Transformatorenhaus der Anlage ist der Betreiber Vattenfall heftiger Kritik ausgesetzt.
Unterweser
AKW Essenshamm / Unterweser in Niedersachsen Inbetriebnahme: 1979 Laufzeitende: 2012
Gegen das nahe bei Bremen liegende AKW gab es schon in der Bauphase erheblichen Widerstand aus der Bevölkerung, u.a. eine Sammlung von 40.000 Protestunterschriften im Jahre 1971.
1998 kam es in Esenshamm zu einer Kette von Bedienungsfehlern bei der Suche nach einem Leck im Turbinenölsystem. Ein Sicherheitsventil war abgeschaltet und danach vergessen worden. In der Folge lebte eine neue Kontroverse um die Atom-Gefahren im Zusammenhang mit menschlicher Achtlosigkeit auf.
Grohnde
AKW Grohnde in Niedersachsen Inbetriebnahme: 1985 Laufzeitende: 2018
1985 fiel bei einer Revision auf, dass das Hochdruck-Notkühlsystem nicht funktionsfähig war, weil eine der vier Pumpen Gas statt Wasser enthielt. Ein Leck im Primärkühlkreislauf hätte somit zur Kernschmelze und damit zum Super-GAU führen können.
Lokaler Widerstand zeigte sich in vielfältigen Aktionen, etwa bei einer Demonstration von rund 15.000 AKW-GegnerInnen im März 1977, die wegen schwerer Zusammenstöße mit der Polizei bundesweit in die Schlagzeilen kam.
Biblis A und B
AKW Biblis A und B in Hessen Block A Inbetriebnahme: 1975 Laufzeitende: 2010
1987 traten 107 Liter radioaktives Kühlwasser aus. Der Vorfall kam erst nach einem Jahr ans Tageslicht. In der Folge kam es zu heftigen Diskussionen über die durch weitere Überhitzung erhöhte Wahrscheinlichkeit eines GAU.
Block B Inbetriebnahme: 1977 Laufzeitende: 2010
1995 trat radioaktiver Wasserdampf durch einen Riss im Primärkühlsystem aus. Ein Vollabriss der Leitung hätte einen GAU bewirken können.
Lokaler Widerstand gegen das AKW Biblis regte sich im Zuge der den Blöcken A und B schnell folgenden Pläne für weitere Blocks. Nach über 55.000 Einwendungen von BürgerInnen und im Zusammenhang von Demonstrationen mit bis zu 20.000 Menschen ließ der Betreiber RWE diese Pläne 1994 schließlich fallen.
1983 gelangte wegen Lecks in etwa 20 Brennelementen radioaktives Jod-131 in die Umwelt.
Block 2 Inbetriebnahme: 1985 Laufzeitende: 2018
2001 wurde der Reaktor hochgefahren, obwohl (unbemerkt) das Notkühlsystem nicht in Funktion war. Auch nachdem dies zwei Wochen später bemerkt wurde, blieb Block 2 rechtswidrig angeschaltet. In den folgenden Untersuchungen kam heraus, dass das Notkühlsystem über Jahre hinweg nicht ordnungsgemäß befüllt gewesen war.
Lokaler Widerstand kristallisiert(e) sich besonders an den Atommülltransporten vom Kraftwerk.
Isar / Ohu
AKW Isar 1 und 2 in Ohu, Bayern Block 1 Inbetriebnahme: 1979 Laufzeitende: 2011
1988 wäre es nach dem Absturz eines französischen Kampfflugzeugs (Mirage) in nur zwei Kilometer Entfernung vom AKW beinahe zu einer Katastrophe gekommen. In diesem seinerzeit häufig für Kampfübungen genutzten Luftraum galt der Kühlturm der Atomanlage als beliebte Wendemarke.
Block 2 Inbetriebnahme: 1988 Laufzeitende: 2020
Für Block 2 sind keine ernsthaften Störfälle bekannt geworden.
Gegen das AKW Isar gab es in den 1970er Jahren die ersten bayernweiten Anti-Atom-Demonstrationen.
Grundremmingen
AKW Grundremmingen A, B und C in Bayern Block A wurde nach einem Unfall bereits 1980 stillgelegt 1975 starben zwei Arbeiter durch austretenden radioaktiven Dampf aus dem Primärkühlkreislauf. 1977 rissen beide vom AKW wegführenden Stromleitungen, in der Folge traten 200 Kubikmeter stark radioaktives Wasser aus dem Reaktor aus und verseuchten das Gelände.
Block B Inbetriebnahme: 1984 Laufzeitende: 2015
Block C Inbetriebnahme: 1985 Laufzeitende: 2016
Für Block B und C sind keine ernsthaften Störfälle bekannt geworden.
Im Zuge der Unfälle in Block A formierte sich lokaler Widerstand bis in die Kreise der örtlichen PolitikerInnen. Seit 1991 werden regelmäßig Atommülltransporte aus den anderen AKW in Gundremmingen zum Zwischenlager Gorleben blockiert.
Neckarwestheim 1 und 2
AKW Neckarwestheim 1 und 2 Block1 Inbetriebnahme: 1976 Laufzeitende: 2010
Block 2 Inbetriebnahme: 1989 Laufzeitende: 2022
1998 kam das AKW in die Medien, nachdem an Atommüll-Behältern aufgrund von radioaktiven Verschmutzungen das Vielfache der zulässigen Strahlungsmengen festgestellt wurde.
2004 gelangte kontaminiertes Wasser aus Block II unbemerkt in den Neckar.
In Neckarwestheim konzentrierte sich der Protest in den letzten Jahren auf Aktionen rund um die Atommülltransporte.
Grafenrheinfeld
AKW Grafenrheinfeld in Bayern Inbetriebnahme: 1982 Laufzeitende: 2014
In Grafenrheinfeld sind keine ernsthaften Störfälle bekannt geworden
Lokaler Widerstand gegen das AKW kam schon ab 1972 auf, die Bürgerinitiative untersucht selbsttätig Strahlenbelastung und Krebsfälle in der Region.
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